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Nachhaltige Marktwirtschaft

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Nachhaltige Entwicklung (sustainable development)

Nachhaltige Marktwirtschaft

Die in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte vorwiegend ausgeübten Wirtschaftssysteme "Freie Marktwirtschaft", "Soziale Marktwirtschaft" und "Zentralverwaltungswirtschaft“ (landläufig auch Planwirtschaft genannt) zeigen auf, dass diese Systeme an ihre Grenzen stoßen, weil sie kein ganzheitliches Bild des globalen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und umweltrelevanten Handelns betrachten.

Je nach ideologischer Vorstellung werden der Monetarismus, der Keynesianismus oder der Marxismus als Grundlage für ein wirtschaftliches Geschäftsmodell genutzt, um zu versuchen, Wachstum und Wohlstand zu mehren.

Bei diesen und anderen Denkmodellen geht es im Wesentlichen nur um die Märkte für Güter- und Dienstleistungen, Märkte für Geld und Kapital(-verkehr) oder um Arbeitsmärkte. Es wird versucht, die Märkte für Gesundheit und Renten als Sozialmärkte einzubeziehen. Letztlich sind Sozialmärkte aber auch nur Teilmärkte der vorgenannten drei Markttypen. Ein ganz wesentlicher Markt wurde in diesen Betrachtungen bisher weitgehend außer Acht gelassen: der Umweltmarkt. Da die Umwelt selbst keine Kostenrechnung aufstellen kann, wird ein wesentlicher Teil der Kosten, die bei der Beschaffung, Herstellung und dem Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen entstehen, nicht berücksichtigt. Diese externen Kosten werden in der volkswirtschaftlichen wie auch in der betriebswirtschaftlichen Gesamtrechnung sträflich vernachlässigt.

Die Schwächen der drei vorgenannten Wirtschaftssysteme liegen offenkundig in der Tatsache begründet, dass man die Umwelt bisher nicht als Marktteilnehmer wahrnehmen will. Alles Handeln - Tun oder Unterlassen - findet statt zwischen Menschen, Unternehmen, Staaten und Organisationen. Markt findet dort statt, wo jemand eine Forderung stellen kann, meistens in Form von Geld. Da die Umwelt keine Rechnung stellt, bleibt Sie als Marktteilnehmer bisher unbeachtet.

Mit dem Begriff „Nachhaltige Marktwirtschaft“ wird auch der Marktteilnehmer Umwelt in das marktwirtschaftliche Geschehen eingebunden. Leider gibt es bis heute (Stand Januar 2007) in der wissenschaftlichen Diskussion noch keine Persönlichkeit, die Nachhaltige Marktwirtschaft zu erklären versucht. Themen wie Klimawandel, Nachhaltigkeit, Nachhaltige Entwicklung lassen sich erst dann ernsthaft weiterentwickeln, wenn die bisherigen Marktteilnehmer bereit sind, anzuerkennen, dass Umwelt einen Preis hat.

Umwelt ist hierbei weit reichend zu definieren. Ob es um Ressourcen und deren Beschaffung geht, um die Verteilung der Ressourcen, ob es um unser Verhalten beim Energieverbrauch geht oder deren Nutzungsarten. Der Umgang mit der Natur - Flora wie Fauna – oder unsere Bereitschaft, Klima schädigendes Verhalten hinzunehmen oder einzudämmen, all diese Aspekte sind zu berücksichtigen.
Umwelt bedeutet aber auch Rücksichtnahme auf andere Regionen und Gesellschaften, sei es bei der Beanspruchung von Ressourcen oder der Herstellung und Verteilung von Gütern, Dienstleistungen aber auch Kapital. Nachhaltige Marktwirtschaft ist ein komplexer Begriff, der hoffentlich bald von vielen Autoren weiterentwickelt wird, damit er Einzug in die gesellschaftlichen Lebensweisen findet und sich die Wissenschaft endlich fundiert mit der „Königin der Marktwirtschaft“ – „Nachhaltige Marktwirtschaft“ beschäftigt.


Schon der Begriff in seiner Ursprünglichkeit selbst: „nach - halten - Markt – wirtschaften“ gibt ein Selbstverständnis:

Nach:
Bei jeder heutigen wirtschaftlichen, sozialen oder ökologischen Handlungsweise wird auch die Frage nach den Folgen dieser Handlungsweise für die Zukunft gestellt.

Halten:
(Nach)halten ist hier im Sinne von Erhalten zu verstehen. Jedes Tun oder Unterlassen hat Auswirkungen auf die Umgebung. Wenn diese individuelle Handlung positiv auf die Umgebung wirkt durch Schaffung von Mehrwert und Wachstum, kann sich Marktwirtschaft entfalten. Wird aber, wie es bisher geschieht, außer Acht gelassen, dass dieser vordergründige Mehrwert auch negative Auswirkungen hat (z.B. Klimawandel) und den Preis dafür andere zu bezahlen haben, dann entsteht kein wirklicher Mehrwert. Profit einzelner Marktteilnehmer zu Lasten anderer, die das Geschäft nicht beeinflussen können, ist nicht nachhaltig (für die Gesellschaft und die Umwelt).

Markt:
Es gibt dutzende Definitionen von Markt. Unstrittig sollte sein, dass ein Markt funktionieren sollte, insbesondere um einen Mehrwert für die Individuen aber auch für die Gesellschaft zu erreichen. Monopolmärkte zeigen Marktversagen an. Insbesondere bei den Ressourcen (Öl, Gas, Kohle, Uran) und deren Vertriebsstrukturen kann man in der Neuzeit die Fehlentwicklungen - auch aufgrund politischer Fehleinschätzungen - erkennen. Die Energiegewinnung, Energiebereitstellung und Energieversorgung sind eine entscheidende Grundlage jedes Wirtschaftssystems, deshalb wirken sich die weiter voranschreitenden Monopolisierungen in diesen Bereichen letztlich negativ auf die Wirtschaftssysteme aus.

Wirtschaft:
Im Sinne von wirtschaften, haushalten. Dies bedeutet eben auch neue Wege gehen. Die bisherigen Marktteilnehmer müssen mehr die Wechselbeziehungen beachten. Durch die Globalisierung ist wirtschaftliches Handeln komplexer geworden. Insbesondere müssen die Marktteilnehmer (Menschen, Unternehmen, Staaten, Organisationen) anerkennen, die Umwelt als neuen Marktteilnehmer vollständig in ihre betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Rechnungen zu integrieren. Die externen Kosten für Umwelt sind in der Praxis doch schon längst teilweise zu internen Kosten geworden. Allerdings werden die Kosten in der Regel erst dann kalkuliert, wenn sie zu einem Schaden bei einem Marktteilnehmer geführt haben oder die Marktteilnehmer durch Gesetze Auflagen erhalten.

In jüngerer Zeit tauchen neue Disziplinen in den Wirtschaftswissenschaften auf. Durch die Überlegungen in der Spieltheorie, der Hirnforschung, der Sozialforschung, wird der Versuch unternommen, die Komplexität wirtschaftlichen Handelns besser erklären zu können.


Definitionen und ausführliche Hintergründe zu den Begriffen Nachhaltigkeit und Nachhaltige Entwicklung (sustainable development) finden Sie unter www.learn-line.nrw.de



Bereits 1987 hat die von der UNO eingesetzte „Brundtland-Kommission“ versucht, Nachhaltigkeit zu erklären:

1. "Entwicklung zukunftsfähig zu machen, heißt, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können".

2. "Eine zukunftsfähige Entwicklung ist ein Prozess der Veränderung, in dem die Nutzung der Ressourcen, die Struktur der Investitionen, die Orientierung des technischen Fortschrittes und die institutionellen Strukturen konsistent gemacht werden mit den zukünftigen und den gegenwärtigen Bedürfnissen."

Im Rahmen der UNO- Konferenz in RIO im Jahre 1992 wurde der Weg als "Nachhaltige Entwicklung" definiert. Es sollen die ökonomischen, sozialen und ökologischen Belange so miteinander verbunden werden, dass die heutigen Generationen nicht zum Nachteil der nachfolgenden Generationen handeln. Die Deklaration von RIO ist wegweisend für diese Zusammenhänge.

Präambel: Die Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung zusammengekommen in Rio de Janeiro vom 3. bis 14. Juni 1992, in Bekräftigung der am 16. Juni 1972 in Stockholm verabschiedeten Erklärung der Konferenz der Vereinten Nationen über die Umwelt des Menschen sowie in dem Bemühen, darauf aufzubauen, mit dem Ziel, durch die Schaffung von neuen Ebenen der Zusammenarbeit zwischen den Staaten, wichtigen Teilen der Gesellschaft und der Bevölkerung eine neue und gerechte weltweite Partnerschaft aufzubauen, bemüht um internationale Übereinkünfte, in denen die Interessen aller geachtet werden und die Integrität des globalen Umwelt- und Entwicklungssystems geschützt wird, in Anerkennung der Unteilbarkeit der Erde, unserer Heimat und der auf ihr bestehenden Wechselbeziehungen stellt fest:

Grundsatz 1: Die Menschen stehen im Mittelpunkt der Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung. Sie haben das Recht auf ein gesundes und produktives Leben im Einklang mit der Natur.


Seit nunmehr 20 Jahren haben die Staaten erkannt und durch Proklamationen anerkannt, dass es notwendig ist, die derzeitigen Marktmechanismen auch in Einklang mit der Natur zu bringen. Allerdings scheint kaum eine Gesellschaft bereit zu sein, den Preis für diese Einsicht anerkennen zu wollen.

Im November 2006 wurde der „Stern-Report“ veröffentlicht, der aufzeigt, welche Folgen für unsere Wirtschaftssysteme auf uns zukommen können. Wenn wir heute nicht bereit sind, den Preis zu bezahlen, der für den wirtschaftlichen Wandel hin zu einer nachhaltigen Marktwirtschaft und den Energiewandel zu bezahlen ist, werden wir mehrfach diese Kosten zu tragen haben. Allein die durch die Monopolwirtschaft initiierten Preiserhöhungen in den Jahren 2000 bis 2006 auf den weltweiten Energiemärkten, die von Unternehmen und Börsen verantwortet wurden, reichten aus, um den Energiewandel auf erneuerbare Energien in den nächsten 20 Jahren massiv voranzubringen. Obwohl es keine natürlichen knappen Märkte gab und die Rohstoffe ausreichend weltweit zur Verfügung standen, haben sich die Preise teilweise vervielfacht. Was wird erst geschehen, wenn wir bei steigender Nachfrage nach Rohstoffen auf ein tatsächlich knappes Angebot stoßen?

Nachhaltige Marktwirtschaft berücksichtigt diese Tatsache bereits heute.
Politische Parteien versuchen vereinzelt die Popularität der Begriffe Nachhaltigkeit und Nachhaltige Marktwirtschaft für sich zu vereinnahmen. Dies tun Sie aber nur vordergründig, um Ihre Wählerschichten zu beruhigen. Zu nachhaltigen Reformen sind Sie nicht bereit.

In Deutschland wird dies dadurch deutlich, dass keine der angekündigten Reformen den Stempel der Nachhaltigkeit erhalten kann. Eine grundlegende Steuerreform wurde von den Interessengruppen verhindert. Die Reform der Sozialversicherungssysteme wird zu weiter steigenden Kosten führen, ohne an den Kern der Problemstellungen heranzugehen. Selbst die von der Politik erkannte Notwendigkeit der Reduzierung der Treibhausgasemissionen im Rahmen der zweiten Handelsperiode von 2008 bis 2012 führt zu heftigem Streit mit der Monopolindustrie. Durch die globalisierten Strukturen der Großunternehmen sind die Handlungsmöglichkeiten einzelner Staaten eingeschränkt. Ordnungspolitik einzelner Gesellschaften ist nur noch schwer durchsetzbar, da hierdurch Wettbewerbsverzerrungen befürchtet werden.

Nachhaltige Marktwirtschaft, das heißt die Einbeziehung des Marktteilnehmers Umwelt und bedeutet die Bereitschaft der Marktteilnehmer

- Menschen (z.B. heutige Sozialstaatsleistungen, Sicherung auch für künftige Generationen),

- Unternehmen (z.B. Produktionskostenkalkulation incl. der Umweltschäden durch Produktionsverfahren bei Herstellung und Vertrieb, Transportkosten),

- Staaten (z.B. Fehlentwicklungen in der Steuer- und Abgabenpolitik korrigieren) und

- Organisationen 1. staatliche Organisationen (z.B. Durchsetzung von als notwendig erkannten Maßnahmen zum Klimaschutz durch EU, UNO u.a.) und 2. private Organisationen (z.B. Stiftungen, die ihr Anlageverhalten der Stiftungsvermögen nach ethischen Maßstäben ihres Stiftungszweckes überprüfen),

zugunsten der Gesamtheit aller Marktteilnehmer, eigene Bedürfnisse zu begrenzen.
Der Mensch steht im Mittelpunkt … im Einklang mit der Natur (Grundsatz 1 der Deklaration von Rio 1992). Dieser Standpunkt sollte in einer modernen Betriebs- und Volkswirtschaftslehre endlich Einzug finden und in politischen Handlungsanweisungen aktiv vorangebracht werden.

Autor:
Dietmar Helmer im Januar 2007

Weblinks:
www.nachhaltigkeit.at
www.nachhaltigkeit.info
www.nachhaltigkeitsrat.de
www.learn-line.nrw.de
www.runic-europ.org
www.nachhaltige-marktwirtschaft.info
www.buergerstrom.org



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