Nachhaltige Marktwirtschaft

Bürgerstrom

50 Jahre „Die Grenzen des (exponentiellen) Wachstums“ –
Bericht des Club of Rome von 1972 – Die fünf grundlegenden Faktoren, die das Wachstum auf diesem Planeten bestimmen.


Übersetzung Zitat von der Webseite des Club of Rome: Die Botschaft dieses Buches gilt auch heute noch: Die ineinandergreifenden Ressourcen der Erde, das globale System der Natur, in dem wir alle leben, können die gegenwärtigen Raten des (Red.: exponentiellen) Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums wahrscheinlich nicht lange über das Jahr 2100 hinaus abdecken, wenn überhaupt, dann nur durch entsprechenden technologischen Fortschritt. Im Sommer 1970 begann ein internationales Forscherteam am Massachusetts Institute of Technology mit einer Studie über die Auswirkungen eines anhaltenden weltweiten Wachstums. Sie untersuchten die fünf grundlegenden Faktoren, die das Wachstum auf diesem Planeten bestimmen und in ihrem Zusammenspiel letztlich begrenzen:

1. Bevölkerungswachstum,
2. landwirtschaftliche Produktion,
3. Erschöpfung nicht erneuerbarer Ressourcen,
4. Industrieproduktion und
5. Verschmutzung.
… Das Buch enthält auch eine Botschaft der Hoffnung: Der Mensch kann eine Gesellschaft schaffen, in der er unbegrenzt auf der Erde leben kann, wenn er sich selbst und seiner Produktion von materiellen Gütern Grenzen setzt, um einen Zustand des globalen Gleichgewichts zu erreichen, in dem sich Bevölkerung und Produktion in einem sorgfältig gewählten Gleichgewicht befinden.

Zitat aus „Die Grenzen des Wachstums“, Seite 24: Es ist möglich, diese Wachstumstrends zu ändern in einen Zustand ökologischer und wirtschaftlicher Stabilität, die nachhaltig weit in die Zukunft reicht.

THE NATURE OF EXPONENTIAL GROWTH
DIE NATUR VON EXPONENTIELLEM WACHSTUM

Zitat Seite 25: Gegenwärtig denken die Menschen, dass fünf Söhne nicht zu viele sind und jeder Sohn hat fünf Söhne also, und vor dem Tod des Großvaters gibt es bereits 25 Nachkommen. Deshalb sind die Menschen mehr und der Reichtum ist weniger; sie arbeiten hart und erhalten wenig. HAN FEI-TZU, ca. 500 v. Chr.

THE LIMITS TO EXPONENTIAL GROWTH
DIE GRENZEN VON EXPONENTIELLEM WACHSTUM

Zitat Seite 45, Lukas 14:28 „Denn wer ist unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht zuvor hin und überschlägt die Kosten, ob er genug habe, um es auszuführen“, (weiter: 29 damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat und kann's nicht ausführen, alle, die es sehen, anfangen, über ihn zu spotten 30 und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und kann's nicht ausführen?

Die fünf grundlegenden Elemente der Studie nehmen weiter zu: Bevölkerung, Nahrungsmittel-produktion, Industrialisierung, Verschmutzung und Verbrauch, Ausbeutung nicht erneuerbarer natürlicher Ressourcen.
Sehr viele Aktivitäten der Menschheit lassen sich in exponentiellen Wachstumskurven darstellen. Manche wirken eher flach und erscheinen daher nicht bedrohlich oder problematisch. Das Bruttoinlandsprodukt ist beispielsweise so eine Kurve. Die 1,2,3,4 % Wachstum beim BIP pro Jahr sind doch nicht exponentiell? Sind Sie! Wir berechnen das Wachstum immer vom Vorjahr aus betrachtet und nicht von einem Basiswert in der weiter zurückliegenden Vergangenheit. Ein Großteil des Buches "Die Grenzen des Wachstums" beschäftigt sich mit den Ursachen und Auswirkungen von exponentiellen Wachstumskurven. Ihre Merkmale zu verstehen, ist grundlegend.
Frei übersetzt, Seite 188: Aber es ist wahrscheinlich nicht weniger wahr, dass sich diese Krisen weltweit auswirken und dass viele Nationen und Menschen übereilte Abhilfemaßnahmen oder den Rückzug in Autarkie versuchen und damit die Situation nur verschlimmern würden. Die Interdependenz (Red. gegenseitige Abhängigkeit) der verschiedenen Komponenten des Weltsystems würde solche Maßnahmen letztlich sinnlos machen.

Machbare und wirksame Anpassungsoptionen -
feaseble and effective adaption options

Der IPCC (Weltklimarat) formuliert es in seinem 6. Sachstandsbericht (AR6-II) vom 27. Februar 2022 wie folgt: Summary, Seite 35 SPM.C.2: There are feasible 41 and effective 42 adaptation options which can reduce risks to people and nature. The feasibility of implementing adaptation options in the near-term differs across sectors and regions (very high confidence).
Auf deutsch: Zukünftige Anpassungsoptionen und ihre Machbarkeit
C.2 Es gibt machbare und wirksame Anpassungsoptionen, welche die Risiken für Mensch und Natur reduzieren können. Inwieweit es machbar ist, Anpassungsoptionen in der nahen Zukunft umzusetzen, hängt von den jeweiligen Sektoren und Regionen ab (sehr hohes Vertrauen).

Es reicht eben bei weitem nicht aus, kritisch die einfachen Fragen zu stellen: Nützt es dem Menschen? Nützt es dem Klima? Nützt es der Umwelt?
Wer diese Fragen stellt, MUSS weiterfragen: Wem nützt es? Wer profitiert? Was sind die Motive? Ist es nachhaltig?

Ursache und Wirkung - Wechselwirkungen -
Rückkoppelungsschleifen - gegenseitige Abhängigkeiten
Cause and effect - interactions - feedback loops - Interdependenzen

Nicht nur Ursache und Wirkung sind relevant, sondern auch Wechselwirkungen (interactions), Rückkoppelungsschleifen (feedback loops) und Interdependenzen!

Das zeigt die Komplexität der einzelnen Themen. Das ist der Faktor Unsicherheit.
Wer die Intention (Ansinnen, Zweck, Absicht, Ziel) und die Intension (Sinn, Inhalt) des Buches nicht verstehen möchte, hält sich an den „Vorhersagen“ fest und denkt sich seinen Teil. Die Kreativität der Menschen und der technologische und gesellschaftliche Wandel werden häufig unterschätzt. Vergleichen Sie den Stand der Digitalisierung heute und vor 50 Jahren. Vergleichen Sie die Globalisierung heute und vor 50 Jahren. Vergleichen Sie die Rohstoffgewinnung und den Rohstoffverbrauch heute und vor 50 Jahren. Etc. Eine kleine Veränderung in der Annahme der Wachstumsraten, kann zu Fehlschlüssen führen. Schauen Sie nur mal Ihre ursprünglichen Berechnungen von Kapitallebensversicherungen vor 30 Jahren mit hohen Zinsen an (Zinseszinseffekt) und die realen Auszahlungserwartungen von heute.
Wir verrechnen uns ständig. Wir erwarten, dass eine Berechnung, die jemand irgendwann aufgestellt hat, stimmt, ohne Wenn und Aber, dauerhaft. Bei Prognosen über 20, 30, 40 Jahre ist das aber nur schwer möglich. Das liegt daran, dass wir Annahmen treffen, die wir nur mit begrenzter Wahrscheinlichkeit tatsächlich vorhersagen können.
Weil wir auf die Prognose reagieren und handeln. Weil wir schlechte Erwartungen korrigieren durch unser Tun oder Unterlassen. Weil wir Dinge erfinden, weil wir heute Sachlagen anders bewerten, als vor 50 Jahren.

Wir leben in einer Welt der Wahrscheinlichkeiten. Einer Welt von Unsicherheiten.

Wenn wir gegen die Natur, gegen die Umwelt, gegen das Klima – also gegen die „freien Güter“ und gegen den Menschen wirtschaften, dann wird uns die Kosten-Rechnung eben später serviert. Arbeiten wir mit der Natur, mit der Umwelt, mit dem Klima, mitmenschlich, dann haben wir eine umfassende Kostenrechnung heute.
Kennen Sie den „Marshmallow-Effekt“ ist? Man nennt den Effekt auch „Belohnungsaufschub“. Das bedeutet, dass Sie heute auf eine kleine anstrengungslose Belohnung verzichten, um später eine größere Belohnung zu erhalten.
Mit Bezug auf den menschengemachten Klimawandel bedeutet das, dass wir uns seit Jahrzehnten anstrengungslos an der Natur bedienen und diese sogar schädigen. Wir verzichten auf eine spätere Belohnung. Vielmehr sind wir bereit, Schäden in Kauf zu nehmen und einen höheren Preis zu bezahlen, als es notwendig wäre.
Wir leben wirtschaftlich demnach nach dem Opportunismus-Prinzip.

Das kalte Herz des Kapitalismus

Wir wissen es besser, wir können es besser. Aber das „Kalte Herz des Kapitalismus“ lässt uns scheinbar keine andere Wahl.
Professor Werner Plumpe behauptet in seinem Buch, dass „der“ Kapitalismus kein System ist, sondern eine Art der Wirtschaft, bei der der Konsum, die Massenproduktion im Mittelpunkt stehen. Es mag sein, dass der Wirtschaftshistoriker recht haben könnte. Bezogen auf eine rückwärtsgewandte historische Betrachtung gab es seit „Erfindung“ des Kapitalismus bis vor Kurzem keine nennenswerte ökologische Betrachtungsvariable. In seinem Buch findet man (fast) nichts zur Fehlsteuerung der Wirtschaft durch den globalisierten Massenkonsum hin zum menschengemachten Klimawandel.
Das liegt daran, dass die meisten Wirtschaftswissenschaftler in Ihren Theorien bei Gütern nur an Wirtschaftsgüter denken (materielle und immaterielle). Freie Güter wie Sonne, Wind, Luft seien „unbegrenzt“ verfügbar und bedürfen keiner „Investitionen“.

Die unvollständigen (und daher untauglichen) Wirtschaftstheorien von den Gütern

Wirtschaftstheorien die den "freien Gütern" nicht den gleichen Wert geben, wie den "Wirtschaftsgütern", sind überholt und untauglich, die Fragestellungen zu beantworten, die sich bereits vor 50 Jahren ergeben haben. Die Natur, die Umwelt, die Klimafolgen müssen ebenfalls mit einem realistischen Preis bewertet werden.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Natur und Umwelt derzeit (noch) keinen sachgerechten Preis haben. Und das ist der grundsätzliche Fehler der gängigen und gelebten Wirtschaftssysteme.
Langsam fängt man an, mit CO2-Emissionsrechten oder mit CO2-Abgaben. Allerdings steckt in den bereits entwickelten Systemen dieser Art die "alte Denke" der bisherigen Wirtschaftstheorien drin. Deshalb sind diese Anpassungsoptionen zwar machbar, aber leider nicht wirksam!

Wenn „der“ Kapitalismus tatsächlich so flexibel ist, wie Prof. Plumpe es beschreibt dann sollte es doch möglich sein, den Massenkonsum, die Massenproduktion, aber eben auch die Investitionen so zu lenken, dass nicht nur wirtschaftliche Aspekte zählen, sondern auch ökologische und soziale.

Seien wir aber nicht blauäugig. Solange diejenigen, die die Wirtschaft lenken, die Politik und die Gesellschaft so steuern, dass zuerst die Massenproduktion kommt und die Preise internalisiert bestimmt werden, um dann mit viel „eia popeia“ der konsumierenden Masse zu sagen, was der Wert der Ware zu sein hat, solange sind keine fairen Bedingungen zum Ausgleich mit anderen Systemen (Gesellschaft, Natur, Klima) möglich (interne und externe Kostenberechnung).
Da wir gelernt haben sollen, dass Kapitalismus gar kein System sei, bleibt er unfassbar, glitscht durch unser Bewusstsein und Unterbewusstsein. Wir genießen diese „Brot und Spiele“ Mentalität, da wir lieber heute den Marshmallow essen.
Der menschengemachte Klimawandel ist so weit weg und doch so nah, unmittelbar, jetzt. Wie wir die Kräfteverhältnisse verschieben können? Schaffen wir Bewusstsein, machen wir nicht überwiegend das Machbare, sondern machen wir überwiegend das Wirksame. Behindern wir nicht fortlaufend das Wirksame, um das Vergehende zu halten.
Entwickeln wir das angebliche „nicht-System Kapitalismus“ zum System „Nachhaltige Marktwirtschaft“. Evolutionieren wir den Kapitalismus, damit aus dem „kalten Herz“ Warmherzigkeit wird.

Dietmar Helmer, veröffentlicht 2022-03-22